Kurzmitteilung 21 Dez

Ich habe das Blog nun endlich umgezogen nach: http://fuzzle.me/blog/
Der Plan besteht, mal wieder etwas zu schreiben. Wenn die Zeit dafür gekommen ist.

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Blurry Impressions of the women’s march in Istanbul

9 Mrz

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Frauenprotest in Istanbul

9 Mrz

Es regnete so viel, dass meine Schuhe schon auf dem Weg zum Galatasaray Lisesi durchnässt waren. Dort mussten wir uns erst einmal orientieren, in welche Richtung die versammelten Menschen standen. Es waren unheimlich viele, irgendwie ungeordnet in kleinen Gruppen aneinandergedrängt. Die Hauptaufgabe war zu versuchen, den Regenschirmen überall auszuweichen und wenn man günstig stand, sich unter dem von irgendwem anderem zu stellen.
Die Menschen, die sich dort versammelt hatten, waren vor allem Frauen. Ich war nie auf einer Demo mit so einem hohen Anteil an Frauen. Der Aufruf zur Demo ging wohl auch gezielt an Frauen und ein Freund von mir, der mitlaufen wollte, erzählte, als ich ihn nach der Demo wieder traf, dass er diverse Male von Demoteilnehmerinnen der Demonstration verwiesen wurde.
Wir versuchten, eine Freundin von mir zu finden, schoben uns zwischen Menschen hindurch und sahen unterschiedlichste Gestalten, Frauen jeden Alters, Frauen mit und ohne Kopftüchern und vereinzelt ein paar Ausländerinnen wie uns.

Wir liefen die Istiklal entlang in Richtung des Taksimplatzes. Diverse internationale Zeitungen schrieben, der Gezi Park wäre geschlossen worden in dieser Zeit. Ich hatte zuvor einem Freund erzählt, dass ich dorthin gehen würde und ihn nach der Route der Demo gefragt. Er meinte, sie werden uns wohl nicht laufen lassen. Ich fragte ihn nach dem Grund. Er meinte, dass sei einfach so. Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie nicht, dass diese Demo bis zum Taksimplatz läuft.
Die Demo war bunt und sie war sehr laut. Es wurde Parolen des Geziprotests gerufen, einige, die direkt Bezug nahmen auf die Situation der Frauen, es wurde gesungen und getrommelt. Irgendwann stand die Demo und in der Mitte bildete sich ein großer Kreis, in dem Halay getanzt wurde bis es weiterging.
Wir gingen irgendwo vorne in der Mitte und hatten keinerlei Überblick, wie viele Menschen dort waren. Aber es wirkte riesig, wenn man in der Mitte stand und die Leute um einen hörte und sah, mit Energie geladen.

Wir sollten eigentlich bis zum Taksim Platz laufen, dort sollte die Abschlusskundgebung stattfinden. Doch ohne ersichtlichen Grund stand einige Meter vor dem Platz die Polizei, machte die Straße dicht, ließ uns nicht weiterlaufen. Menschen rannten uns entgegen, zurück, Angst vor Gas stieg in uns und den umstehenden auf, es ging weiter zurück die Straße hinunter, weg vom Platz, dann legte sich die Unruhe und wir standen dort und sahen nach vorne auf die Polizeiketten und Wasserwerfer. Es wurde gebuht, es wurde gepfiffen, wir wurden vom Wogen der Menschen nach vorne und weiter hinten getragen, hatten einen Blick auf die vordersten Reihen, fast alle dort mit roten Fahnen.

Und dann schien sich alles aufzulösen. Die meisten um uns gingen einfach, sprachen mit anderen, die vorbei kamen und gingen ihnen hinterher. Es lichtete sich etwas. Wir trafen die Freundin wieder, die wir zwischendurch verloren hatten, sie erklärte uns, die feministischen Gruppen hätten die Demonstration aufgelöst, weil eine linke Gruppe gekommen sei, die nicht kommen sollte, die nichts oder wenig mit der feministischen Bewegung zu tun hätten. Diese würde Widerstand gegen die Polizei leisten, auch ein paar Frauen, aber wir würden jetzt gehen.

Istanbul in Schnee und Eis

11 Dez

Istanbul ist keine Stadt für Schnee. Es ist nicht sehr kalt, zumindest nicht schneidend kalt, aber es schneit wie verrückt. Ich wollte rausgehen, um mir das anzuschauen.

Es fing gestern schon ein bisschen an zu schneien, als ich von der Arbeit kam. Auch das war nicht furchtbar kalt. Und der Schnee war eher Regen. Ein Freund und Kollege wollte nach der Arbeit noch zum Spiel von Galatasaray. Dann fing es heftiger an zu schneien, das Spiel wurde abgebrochen.

Jetzt schneit es schon den Großteil des Tages. Schnee ist für mich ja nichts neues, aber das hier ist verrückt. Nicht, weil es so viel Schnee ist. Es ist eher, weil der Schnee sofort zu dem berliner Schneematsch wird. Und die Straßen in diesem untergehen. Istanbul ist eine Stadt mit zig Hügeln. Das Istanbul auf sieben Hügeln erbaut sein soll ist nicht erkenntlich, die ganze Stadt wellt sich auf und ab, bäumt sich unter den Häusern auf. Alles ist etwas steiler und manche Straßen sind zu steil, um unbeschwert hinauf zu laufen. Was im Sommer anstrengend ist, ist im Schnee irrwitzig. Selbst die kleine Straße, in der ich wohne, wirkt plötzlich steil. Man sieht den Boden nicht mehr unter dem Schnee und versteht plötzlich, dass all diese kleinen Löcher, die man normalerweise übersieht, wirklich riesige Pfützen werden können, versteckte Hindernisse, in denen sich die Schuhe mit Schneematsch vollsaugen.

Abgesehen von den Shopping Malls ist in Istanbul nichts Weihnachtlich. In den Malls stehen die üblichen Weihnachtsdekorationen etwas deplaziert dazu bereit, mit Menschen fotographiert zu werden, sonst scheinen sie keinen Zweck zu erfüllen. Auf der Istiklal ist die Weihnachtsdekoration über den Köpfen das ganze Jahr an und wünscht das ganze Jahr ein frohes neues Jahr. Nur der Schnee erinnert mich hier daran, was in Deutschland gerade los ist, an Schokoladenweihnachtsmänner und Adventskalender.

Video

Istanbul

20 Nov

Sometimes the Journey is the Destination

1 Aug Auf dem Weg nach Paris

Auf dem Weg nach ParisIch glaube, ich bin in meinem Leben schon recht viel gereist. Ich habe mal jemanden getroffen, der von sich sagte, er sei schon so viel gereist, dass er jetzt an dem Punkt sei, an dem er wisse, jede weitere Reise sei purer Eigennutz. Am Anfang erweitere man seinen Horizont, verstehe, wie groß die Welt ist, wie unterschiedlich die Kulturen sind und dass wir am Ende alle irgendwie trotzdem gleich sind. Und das nehme man mit nach Hause, verändere das eigene Leben und manchmal auch das der Menschen um einen herum.
Und plötzlich merkt man, wie man nur noch für sich reist, immer mehr sehen will, der Blick über den Tellerrand ist schon längst getan, aber man will mehr-mehr-mehr sehen, mehr verstehen, noch mehr Orte, noch mehr Menschen, noch mehr Kulturen.

Ein Freund ist aus Istanbul gekommen, mit sehr viel Hilfe eines lieben Freundes hat er ein Visum bekommen können. Wir wollten zusammen reisen, neue Orte, Menschen, Kulturen. Beide nicht viel Geld, ich sprach mit Freunden überall, hier eine Nacht, dort eine Nacht, so war der Plan. Das Ziel war erst Paris, dann Barcelona. Allerdings sollte ich es nicht bis nach Barcelona schaffen.

Wir trampten an einem Samstag Mittag los, Göttingen sollte der erste Stopp sein. An der Raststätte in Nikolassee standen so unheimlich viele Tramper, dass einige irgendwann aufgaben und wieder in die Stadt hinein fuhren. Wir warteten Stunden, hofften nur noch, irgendwer würde mitgenommen werden, damit wir wüssten, es sei möglich, hier überhaupt weg zu kommen.
Es klappte irgendwann, zwei Menschen mit einem offenen Anhänger nahmen uns mit in Richtung Hannover und redeten kaum mit uns.
In Hannover saßen wir wieder fest, trafen Punks, die hier auch schon seit Stunden festsaßen, redeteten mit ihnen, tauschten Erfahrungen aus, planten zusammen an dieser Raststätte zu zelten, weil wir hier wohl nicht mehr wegkämen…
Und dann waren die zwei weg, hatten jemanden gefunden, der sie in die Stadt fuhr und wir waren wieder zu zweit, es wurde dunkel und wir müde und die Hoffnung wich langsam, bis wir jemanden ansprachen, der anbot, für uns sogar einen Umweg über Göttingen zu fahren. Wir hörten ein Hörbuch von John Irving, gelesen von Rufus Beck, im Auto und waren glücklich.

Meine Freundin in Göttingen rechnete schon nicht mehr damit, dass wir noch ankommen würden in dieser Nacht und dann standen wir plötzlich bei ihr im Garten, müde, aber so glücklich, es endlich geschafft zu haben, einen Ort zum ankommen gefunden und erreicht zu haben. Wir diskutierten, wir lachten und irgendwann, nicht allzu viel später, schliefen wir erschöpft ein.

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Vier Tage Istanbul

27 Jun

22.07.2013 – 26.07.2013

Kiss in Taksim Square

Es ist schon spät in der Nacht, ich steige in das Taxi und erkläre, dass ich zum Taksim Platz möchte. Von dort aus sind es nur ein paar hundert Meter sie Istiklal hinunter zu meinem Hostel. Der Taxifahrer erklärt mir, dass es am Taksim Probleme gibt, dass er mich dort nicht hinfahren kann und will. „Police, gas“, versucht er mir zu erklären. Natürlich verstehe ich, was er meint, aber ich will es eigentlich nicht verstehen. Ich zeige ihm die genaue Adresse. Frage, ob es einen anderen Weg gibt. Er fährt erst einmal los, Richtung Taksim, in die Stadt hinein. Ich sitze da und versuche, nicht in Panik zu versinken. Umso näher wir dem Platz kommen, desto näher kommt auch der Geruch. Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll, so sehr verdünnt von Stadtluft ist er. Der Fahrer kurbelt die Fenster hoch, erklärt, dass sei das Gas. Plötzlich sind da überall Menschen mit diesen Staubmasken, Menschen, die versuchen mit Stoff ihr Gesicht zu verdecken. Mein Fahrer fährt durch einige Straßen, die nicht aussehen, wie für Autos gemacht und schafft es so, mich bis vor die Tür zu bringen. Er sieht mir meine Nervosität an und erklärt irgendwie, hier sei es ruhiger, weiter zum Taksim sei das Tränengas.
Ich versuche durchzuatmen und anzukommen.

Die Leute im Hostel wollen alle zusammen noch weggehen, ich schließe mich ihnen an. Wir laufen die Istiklal hinunter, auf den Taksim Platz zu. Es scheint eine völlig normale Nacht zu sein, viele junge Menschen sind unterwegs und sieht man von den gelegentlichen Gasmasken und umgehängten Taucherbrillen ab, könnte es irgendeine Nacht sein.

Wir bleiben stehen, irgendwer will sich irgendetwas hohlen, wir warten mitten auf der großen Straße. Plötzlich fangen die Leute an, auf uns zu zu rennen, der wage, unbeschreibliche Geruch nach Tränengas kommt näher. Ein Freund nimmt meinen Arm und zieht mich in eines der Geschäfte. Wir sehen Menschen vorbei rennen und entscheiden uns zusammen zum Hostel zurück zu gehen.
Das war meine erste Erfahrung mit Tränengas. Die Leute um mich erklären, dies sei die kleinste, verdünnteste Dosis. Bevor es in meinen Augen brennt, brennt es beim Atmen. Es ist immer noch viel zu weit weg, um uns darüber hinaus zu beeinflussen.

Plötzlich sind da auf der Straße Menschen, die diese Staubmasken verkaufen, dort wo sonst vielleicht Maronenverkäufer stehen würden. Sie waren wie auf dem Nichts aufgetaucht. Während wir darüber staunen, sind um uns so viele Menschen, vor allem junge, rennend, rufend, laufend, schweigend.

Im Hostel sitzen wir alle zusammen in dem winzigen Aufenthaltsraum, die Tür immer geschlossen, weil das Gas herein ziehen könnte. Wir sprechen mit einem Brasilianer über die Proteste in dem Land, in dem er aufwuchs. Ein Amerikaner besorgt sich eine richtige Gasmaske und trotz seiner Beteuerungen, das sei Krieg dort draußen, geht er kurz vor die Tür, um mal zu schauen, wie es in unserer kleinen Seitenstraße jetzt aussieht. Ich schaue auch kurz hinaus, aber dort stehen Polizisten am Eingang der Straße, also ruft mich jemand wieder hinein. Später erzählt der Amikaner, er habe gesehen, wie einer der Polizisten sich hinkniete, zielte und Tränengas verschoß, in die Straße, in der er stand, sodass er sich an die Wand drücken musste, um das Geschoss nicht gegen den Kopf zu bekommen. Er ist überzeugt, es werde gezielt auf Menschen geschossen.

Eine Iranerin erzählt (es ist mittlerweile spät in der Nacht und draußen toben die Kämpfe, sodass sich nur einer, der in Istanbul lebt, sich vor die Tür stellt mit einem Glas çay in der Hand und berichtet), dass sie das alles sehr an an die Proteste im Iran 2009 erinnern würde. Sie erzählt davon, wie sie es wahrgenommen hatte. Vergleicht viel mit den Protesten hier. Erzählt von Freunden, die bei den Demonstrationen waren.

Die Tür nach draußen ist geschlossen, wir müssen husten, wenn sie sich öffnet, das Gas dringt sofort in den kleinen Raum. Wir wollen alle vielleicht mutiger sein, aber wir sind es nicht, wir versuchen Witze darüber zu machen, wie sehr das da draußen an das Ende der Welt erinnert. Wir könnten hinaus schauen und die Schwaden von Tränengas sehen. Irgendjemand kommt herein und sagt uns, wir sollten unsere Gasmasken nicht auf dem Tisch liegen lassen, auch nicht die Staubmasken, die Polizei habe schon wegen Geringerem Leuten Stress gemacht. Er empfiehlt, sie unter die Tische zu legen, damit sie griffbereit seine.

Nachts hören wir Menschen draußen rufen, hören die Proteste, bis in den Morgen. Diejenigen von uns, die weiter im Gebäude schlafen, erzählen am Morgen, sie hätten die ganze Nacht im Tränengas versucht zu schlafen, dass durch die Fenster in die Räume kroch.

Am Sonntag, in Kadiköy, sind große Demonstrationen. Den ganzen Tag über. Ich stehe am Rand und sehe so viele verschiedene Menschen an mir vorbeiziehen. Junge, Alte, Kinder, so als sei der gesamte Stadtteil hier unterwegs. Ich kann durch meine mangelnden Türkirschkenntnisse nicht verstehen, was sie rufen, aber immer wieder fordern sie den Rücktritt Erdoğans.

Wieder auf der europäischen Seite der Stadt, will ich zum Taksim Platz, ihn bei Tag sehen. Will sehen, was nach der Nacht dort übrig geblieben ist. Auf dem Weg dorthin laufe ich durch die Istiklal und sehe eine LBGT-Demonstration. Auf derselben Straße, auf der eine Freundin mit ihrer damaligen Partnerin beleidigt worden ist, wird jetzt die Diversität Istanbuls sichtbar, kann man sehen, wieviele unterschiedliche Menschen hier leben und ihre Recht einfordern.

Der Taksim Platz ist jedoch leer, bis auf ein paar Menschen, die stehen und schweigen. Es ist fast gruselig, wie normal hier das Leben weiter geht, wie schnell hier wieder alles weggeräumt wurde, was an die Nacht der Kämpfe erinnern könnte. ‚Wir wissen jetzt was in der türkischen Infrastruktur zu gut funktioniert- die Polizei und das Aufräumen der Stadt‘, versuchte sich ein anderer Tourist über unsere gemeinsame Verwirrung lustig zu machen.

Die Nacht ist ruhig, auch sonst bekomme ich von den weiteren Protesten wenig mit. Es wird um mich herum allgemein angenommen, das sei, weil die Menschen unter der Woche ja auch arbeiten müssten. Bis zu dem Freispruch des Polizisten, der Ethem Sarısülük erschoss. Lest den Wikipedia Abschnitt dazu! Ich kann das nicht selbst in Worte fassen. Wir holen wieder unsere Gasmaskes heraus, in der festen Überzeugung, dass es wieder Kämpfe geben wird, wieder Demonstrationen, wieder Polizei, die diese angreift. Ich habe einen Termin am Dienstagmorgen, bekomme also in der Nacht vom Montag nichts mit.

Am Montagabend werden wir gewarnt, es würde wieder große Proteste geben. Als wir die Menschen in der Istiklal rufen hören, sitzen wir draußen, schauen uns nur an und ohne weiter nachzufragen stehen wir, ich und die anderen Touristen, auf und laufen gemeinsam dorthin. Wir stehen am Rand und sind erstaunt, wie wenige Demonstranten es diesmal sind. Wahrscheinlich sind es immer noch sehr viele, wir wissen auch nicht, wie der Taksim aussieht, aber im Vergleich zu den Protesten vom Samstag scheinen es wenige zu sein. Ein Iraner meint, er kenne das, die Menschen haben Angst, weil sie einfach aus ihren Wohnungen abgeholt werden, ohne Vorwarnung, ohne das jemand wisse, wo sie dann sind.

Als wir in der Nacht durch die Istiklal laufen, ist alles wieder so normal, als sei hier nie etwas passiert. Überall junge Menschen auf dem Weg zu irgendeiner Party, irgendeiner Bar, Gemüse- und sonstige Stände, die auch in der Dunkelheit ihre Waren feilbieten. Nichts deutet darauf hin, wie schnell die Situation hier wieder kippen könnte.

Am Mittwoch bin ich wieder nach Hause geflogen. In zwei Monaten, etwas weniger, werde ich wiederkommen. Mein Arbeitsvertrag für die fünf Monate in Istanbul ist unterschrieben. Wie es bis dahin hier aussieht, kann ich nicht sagen, auch niemand, den ich fragte, wollte etwas vermuten. Ich weiß nicht einmal, wie es hier am nächsten Wochenende sein wird. Ich kann nur hoffen, dass die Polizei nicht mehr angreifen wird, dass die Menschen die Freiheiten bekommen, die sie fordern, dass sie so leben können, wie sie es möchten.

Bis dahin: Keep on çapuling!

Gulaschprogrammiernacht 2013

13 Jun

Das ist jetzt schon eine Weile her, aber es passiert ja immer so viel so schnell, dass ich das trotzdem noch mal niederschreiben wollte.
Ich war da auf dieser Veranstaltung. Der Gulaschprogrammiernacht. Ich kann das nur empfehlen. Ich kenne wenig so tolle und eigensinnige und akzeptierende Menschen, wie die, die sich auf den Veranstaltungen des CCC scheinbar herum treiben. Der CCC ist für mich so etwas wie ein Mythos, etwas, wovon ich gehört habe, als ich kleiner war und ängstlicher und keine Ahnung hatte von Computern, die damals aber schon cool waren. Jetzt, wo ich immer noch wenig Ahnung habe, aber weniger Respekt vor allem, was ich nicht verstehe, scheint der CCC immer noch verdammt cool und rockt mein Bild der Nerds.
Deshalb stehe ich dann meistens auch am Rand herum und versuche nicht zu sehr aufzufallen. Weil ich ein wenig Angst habe, dass irgendwann irgendwer bemerkt, dass ich da ja eigentlich gar nicht hingehöre, dass mein Wissen ja eigentlich gar nicht so groß ist und ich eigentlich gar nicht so beeindruckende Dinge tun kann.
Aber das sind meistens völlig unbegründete Sorgen, weil ich dann immer, wenn ich mit Menschen spreche, auf sehr viel Geduld stoße, sie mir in Ruhe alles mögliche erklären und auf meine Fragen eingehen.

Hacklace, ein Herz auf dem Bildschirm, dargestellt durch die LEDs

Mein selbstgelötetes Hacklace! ❤

Ich habe mal wieder eine Menge toller Dinge gelernt. Ich habe das erste Mal ein bisschen gelötet, ein Hacklace. Das ist so verzwickt, dass es eigentlich nur bedingt Spaß macht, das Löten, aber irgendwie ist es trotzdem toll und anstrengend und lohnt sich, dass mal zu versuchen. Ich habe mir auch zeigen lassen, wie ich den Bildschirm des Hacklaces neu beschreiben kann, was noch toller ist, weil man nicht nur etwas fertig hat sondern damit auch noch rumspielen kann.
Und an meinem LilyPad habe ich weiter Quatsch gemacht. Noch trete ich da ein bisschen auf der Stelle, weil ich nicht ganz weiß, was ich genau machen möchte. Ich überlege hin und her. Die Tetris Melodie, die aus dem Lautsprecher bisher tönt und immer alle drum herum sitzenden etwas nervt, ist nicht wirklich praktikabel für irgendwas außer zum Ausprobieren. Aber das macht Spaß, die ersten kleinen Schritte mit Hardware zu machen, die zu verstehen ist und langsam auch zu begreifen, was wie wo wieso verknüpft ist und was damit alles getan werden kann.
Auch wenn die Hardware, die ich dort gesehen habe, noch eine ganz andere Stufe ist. Manchmal habe ich mich überwinden können und habe gefragt, was die Menschen dort tun, wieso sie genau das machen habe ich dann aber meistens schon vergessen zu fragen. Sonst lief ich zu den 3D-Druckern und spielte das Spiel „Was wird hier wohl gerade gedruckt?“- meistens konnte ich das nicht erraten. (Es stellte sich bei dem mir am nächsten gelegenem heraus, dass er Sextoys druckte.)

Ich wollte mir auch eigentlich Ruby erklären lassen. So Kram, den man sich dann irgendwie vornimmt, weil er für die Uni wichtig ist. Stattdessen verwickelte ich mich betrunken in diverse Gespräche, diskutierte mit irgendwem, der ja eigentlich auch nichts dafür konnte, über politische Weltbilder und anstatt zu schlafen ließ ich mir vim zeigen und erklären.

Wieder mal habe ich mich unter fremden Menschen wohler gefühlt, als ich gedacht hätte. Wieder mal musste Julia mich mitnehmen. Und mich durch Karlsruhe führen.

Ich hatte viel Spaß. Und wünschte, ich hätte einen Hackerspace, zu dem ich Nachmittags gehen könnte, um mir Dinge erklären zu lassen. Vielleicht finde ich ja irgendwann einen. Und traue mich dann auch dorthin zu gehen.

Nächstes Jahr werde ich wohl auf jeden Fall wieder nach Karlsruhe fahren.

Mein selbstgelötetes Hacklace! ❤

Berlin Geekettes Hackathon

4 Mrz

Ich war das erste Mal bei einem Hackathon. Ich wusste nicht, was ich mir darunter vorzustellen habe, glaube ich. Ich dachte an viele Menschen (vor allem Männer), die apathisch auf ihre Bildschirme starren, auf Tastaturen hauen und nur alle paar Stunden, unbeachtet von anderen, aufschreien vor Glück, weil etwas geglückt ist. Ich dachte, Projekte, die solche Menschen bearbeiten, sind weit weg von allem was ich mir vorstellen könnte. Schon gar nicht könnte ich gleichberechtigt an einem Tisch mit ihnen sitzen und arbeiten.

Trotz all dieser Vorbehalte habe ich mich angemeldet zum „Berlin Geekettes Hackathon“. Ich habe nicht groß darüber nachgedacht, dass dort (fast) nur Frauen sein würden. Vielleicht nahm ich das als eine Art Save Space wahr, aber wirklich bewusst daran gedacht habe ich nicht, bis ich ankam. Wäre Julia nicht gewesen, hätte ich mich wahrscheinlich nie angemeldet, geschweige denn wäre dort hingegangen. Auch Ragni muss ich ganz herzlich danken, ohne die beiden hätte ich mich wahrscheinlich nie getraut.
Ich kam also am Freitag dort an, zu einem API Workshop. Was eine API ist, wusste ich, aber das war es eigentlich auch schon wieder. Ich kam in den Raum und war beeindruckt wie viele Frauen ich da sitzen sah, mit ihren Computern und es schienen genau die zu sein, die zwischendurch immer wieder als „Schau mal, da ist eine Frau dabei“ betitelt wurden und noch so viele mehr.
Ich fand sie alle ziemlich bewundernswert. Die Frauen waren so, wie ich werden will. Selbstverständlich gehen sie mit Technik um, weil es selbstverständlich ist. Und alle haben eine Leidenschaft für das was sie tun, die ich selten vorher bei jemandem gesehen habe.

Am nächsten Tag schaffte ich es sogar (fast) pünktlich da zu sein und gespannt zu hören, was der Tag bringen würde. Und dann dachte ich schon nicht mehr darüber nach, ob ich das alles kann oder nicht, ob ich da sein sollte oder nicht oder wo ich eigentlich hingehöre. Ich fühlte mich unheimlich wohl genau dort, wir feilten zu dritt den ganzen Tag an unserem Projekt und wenn wir nicht daran arbeiteten um zu essen, redeten wir darüber. Es war ein bisschen wie ein Rausch. Ein ganz wunderbarer noch dazu. Ich war aufgeregt vorher und glücklich, als ich dort saß und mit Ragni, Julia und meinem Computer kommunizierte und ich arbeitete mit ihnen an etwas, das einfach Spaß machte. Und machen sollte. Und niemand hinterfragte, wie viel wir wohl können. Wenn wir fragen hatten, konnten wir uns an irgendjemanden wenden (sowohl Frauen als auch Männer) und einfach fragen und bekamen verständnisvolle, hilfreiche Antworten. Nicht diese „na, Kleine, ich helfe dir mal schnell“ Antworten, sondern Antworten auf Augenhöhe. Und das selbst zu spätester Stunde. Das war eine der schönsten Erfahrungen, die ich bisher in dem Informatikbereich machte. Wir arbeiteten bis spät in die Nacht, bis zum frühen morgen, weil es schön war und weil es Spaß machte und weil es für uns irgendwie wohl auch dazu gehörte.
Und ich lernte, das ein wichtiger Teil des Hackathons auch soziale Interaktion ist. Ich redete mit vielen interessanten Menschen über ihre spannenden Projekte und ihre Gedanken zu allem anderen. Und obwohl ich vielleicht selber manchmal dachte, unser Projekt sei etwas zu albern im Vergleich dazu wurde ich in meinem Arbeiten bestärkt durch die Begeisterung derer, die sich anhörten, was wir machen wollten. Das war etwas, was ich nicht kannte. Und umso begeisterter war ich dann auch von unserer Alarm Clock.
Die Produktivität, die das Arbeiten an einem Projekt für 24 Stunden schafft, war überwältigend. Das Gefühl, das schaffen zu können, was man sich vorgenommen hat, umso mehr

Und am eindrucksvollsten waren dann schlussendlich auch die Projektpräsentationen. Diese Hacks waren so unheimlich liebevoll gemacht und durchdacht. Sahen gut aus und brachten mich zum nachdenken.
Ich war beeindruckt, was die anderen Frauen in so kurzer Zeit alles geschafft hatten, welche Ideen sie gehabt und umgesetzt haben.

Der Hackathon hat mich bestärkt, in der Informatik zu bleiben, diese Szene zu genießen. Aber er hat mir auch klar gemacht, dass dies ein „Safe Space“ war. Das ich das nächste Mal, wenn ich von meinem Projekt erzähle, keine ehrliche Meinung bekomme sondern viel zu oft meine Arbeit lächerlich gemacht wird, weil ich eine Frau bin. Und das ich mich darauf vorbereiten muss. Aber vor allem zeigte mir das auch, wie schade das ist. Und was möglich wäre, wenn dieser Zustand vorbei wäre und wir einfach alle zusammen arbeiten würden und uns als Menschen schätzen. Und wie sehr ich keine Lust mehr habe auf „Na, Kleine, ich helf dir Dummerchen mal schnell“-Antworten habe. Ich bin wieder in der viel zu realen Welt angekommen und merke, dass ich mich durchsetzten muss, nur weil ich ein anderes Geschlecht habe, als der Großteil dieser Szene. Darauf habe ich keine Lust mehr. Lasst uns daran etwas ändern.

Danken möchte ich vor allem den Berlin Geekettes, die Organisatorinnen des Hackathons, und den Frauen, die ich dort traf , die mir Mut machten und die ich allesamt sehr bewundernswert fand. Und natürlich Julia und Ragni. Da wir einen wunderbar nervtötenden Wecker programmierten und vorstellten und ich mit ihnen so viel Spaß am programmieren hatte, wie schon lange nicht mehr!
(GeUp ReadUp auf GitHub – Ich bin allerdings nicht ganz sicher, ob das die neuste Version ist.)

Istanbul. Eine Liebeserklärung.

11 Dez

Istanbul vom Wasser aus

Wir waren das zweite Mal in Istanbul. Diese wunderschöne Stadt nimmt einen gefangen und spuckt dich traurig und glücklich wieder aus. Ich lebte bei einem Freund und erlebte dessen Alltag während wir gleichzeitig Touristen waren, die in einem uns so sehr vertrauten Hostel lebten. Reisen ist nicht nur das, was wir sehen, sondern vor allem, das, was wir lernen, die Begegnungen, die wir machen.
Ich lernte Menschen kennen, die so sind wie ich und die, die ich Zuhause kenne und doch ganz anders. Ich weigerte mich, das Andere als Kultur zu begreifen und lerne nur langsam, das es ganz oft doch genau das ist, was uns von einander unterscheidet, was uns zusammen bringt und voneinander fasziniert: Sich so ähnlich zu sein trotz so unterschiedlicher Kulturen.

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